Elektronische Steuererklärung: Elster für Linux und Mac OS X existiert

 

Das Programm „Elster Formular“ zur elektronischen Abgabe der Steuererklärung gibt es offiziell nur für Windows. Intern existieren bereits seit Jahren eine Linux- und eine Mac-OS-X-Version. Die werden jedoch der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung gestellt.

Wer seine Steuererklärung elektronisch macht, kurz Elster, ist an Windows gebunden, da das kostenlose Programm Elster Formular nur für Windows existiert – eine gute Alternative für Nutzer anderer Betriebssysteme fehlt bisher. Doch Nutzer von Linux oder Mac OS X werden offenbar ganz ohne Not davon ausgeschlossen: Der Elster-Formular-Client wurde nach Informationen von Golem.de von Beginn an so entwickelt, dass eine plattformunabhängige Veröffentlichung problemlos möglich wäre. Demnach existieren Versionen für alternative Betriebssysteme intern bereits. Sie werden nur nicht veröffentlicht.

Elster Formular nutzt Qt

Elster Formular setzt auch unter Windows auf zahlreiche Bibliotheken, die freie Software sind und für zahlreiche Betriebssysteme bereitstehen. Zur Darstellung der Benutzeroberfläche wird die Qt-Bibliothek eingesetzt, die Verschlüsselung nutzt OpenSSL und die Zeichencodierung findet mit Hilfe von ICU statt.

Das für die Elster-Entwicklung zuständige Bayerische Landesamt für Steuern wollte auf unsere Anfrage hin diesen Sachverhalt weder bestätigen noch dementieren. „Möglicherweise wurden entwicklungsintern testweise Mac-OS-X- und Linux-Client-Versionen erstellt“, erklärte Andreas Kussinger von der Pressestelle des Landesamtes. „Eine Veröffentlichung war aber zu keinem Zeitpunkt geplant.“

Dass die mutmaßlich bereits vorhandene Client-Software nicht veröffentlicht wird, erklärt das Landesamt mit mangelnder Wirtschaftlichkeit: Auf unsere Anfrage hin teilte es mit, dass aufgrund der geringen Marktverbreitung von Mac- und Linux-Systemen „eine kostenlose Version des Elster-Formulars für diese Betriebssysteme nicht wirtschaftlich sei und deshalb aus Kostengründen nicht bereitgestellt werden könne“.

Die Steuerbehörden verweisen darauf, dass künftig Steuererklärungen auf alternativen Betriebssystemen über das Portal Elster Online im Webbrowser abgegeben werden können. Doch der Funktionsumfang von Elster Online ist bislang beschränkt. Seit kurzem können dort immerhin Einkommenssteuererklärungen abgegeben werden. Doch die Jahressteuererklärungen von Selbstständigen und Firmen – also gerade die, die seit dem vergangenen Jahr ihre Steuererklärung elektronisch abgeben müssen – ist damit bislang nicht möglich. Dafür ist weiterhin Elster Formular notwendig.

Elster Online verlangt Java-Plugin

Und es gibt weitere Probleme bei der Nutzung von Elster Online: Das System nutzt Java im Webbrowser. Das Java-Browser-Plugin, ohne das Elster Online nicht funktioniert, genießt nicht gerade einen guten Ruf. Zahlreiche Sicherheitsprobleme plagen die Java-Umgebung und Oracle benötigte zuletzt oft sehr lange, diese zu beheben. Bereits zweimal empfahl daher das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in den vergangenen Monaten, das Java-Plugin abzuschalten oder zu deinstallieren. Wer Elster Online zur Abgabe von Steuerdaten nutzt und den Empfehlungen des BSI folgt, hat somit ein Problem.

Wir haben Elster Online unter Linux ausprobiert. Dabei verweigerte das Programm die Zusammenarbeit mit Chromium ohne ersichtlichen Grund. Bei einem anschließenden Test in Firefox wurde uns zunächst mitgeteilt, dass ausschließlich Ubuntu in der Version 12.10 unterstützt werde und uns nicht garantiert werde, dass das System auch unter anderen Linux-Distributionen funktioniere. Einen Start verweigerte uns Elster Online, weil auf dem Testsystem die freie Java-Version OpenJDK installiert war. Elster Online besteht auf das originale Java-Plugin von Oracle.

OpenJDK habe Bugs, wegen derer Elster Online damit nicht funktioniere, erklärte der Elster-Support. Um welche Bugs es sich handelt, darüber wollte er keine Auskunft geben. Eine Anfrage blieb über mehrere Monate unbeantwortet.

Doch selbst nach der Installation einer aktuellen Version des Oracle-Plugins verweigert Elster Online die Ausführung. Es behauptet, wir hätten nicht die aktuelle Version installiert – offenbar ein Programmfehler.

Freie Alternative ‚Geierlein‘: Funktionen werden blockiert

Manche würde am liebsten völlig auf die Software der Steuerbehörden verzichten. Das Taxbird-Projekt von Stefan Siegl bietet seit längerem eine freie Alternative an, mit der Selbstständige und Unternehmer Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben können. Das bisherige Programm Taxbird wurde im vergangenen Jahr durch die Neuentwicklung Geierlein abgelöst, die mit Hilfe von Javascript und der Firefox-Erweiterung XUL geschrieben wurde. Geierlein funktioniert somit auf allen Systemen, auf denen Firefox läuft, und ist deshalb bei Selbstständigen, die Mac OS X oder Linux als primäres System einsetzen, beliebt.

Siegl würde in sein Programm gerne auch Unterstützung für weitere Funktionen einbauen. Doch das wird von den Steuerbehörden blockiert. Der Hintergrund: Es gibt für die Kommunikation mit dem Elster-System zwei Schnittstellen. Die sogenannte Coala-Schnittstelle darf von Alternativimplementierungen wie Geierlein genutzt werden. Das Projekt hat hierfür eine offizielle Entwickler-ID erhalten. Doch über Coala sind nur wenige Funktionen möglich, darunter das Einreichen von Umsatzsteuervoranmeldungen oder Lohnsteueranmeldungen. Die Abgabe vor Steuererklärungen, egal ob privat oder geschäftlich, ermöglicht Coala nicht.

Schnittstelle führt keine Plausibilitätsprüfung durch

Diese laufen über eine andere Schnittstelle, genannt Eric. Die darf allerdings von Entwicklern alternativer Softwarelösungen nicht nachimplementiert werden, denn die Plausibilitätsprüfung der Steuererklärungen findet hier alleine offline statt. Das System würde also auch eine fehlerhafte Steuererklärung akzeptieren. Daher darf diese Schnittstelle ausschließlich von offizieller Software genutzt werden, welche die Daten vor dem Absenden prüft.

Die Steuerbehörden stellen hierfür eine Bibliothek bereit, allerdings nur als Binärcode. So gibt es etwa kommerzielle Steuerprodukte, die über diese Eric-Bibliothek den Zugriff abwickeln. „Ich möchte gerade auch aus Sicherheitsgründen, dass Nutzer eine Möglichkeit zur Abgabe ihrer Steuererklärung mit vollständig freier Software haben“, erklärte Steffen Siegl Golem.de. „Daher verzichte ich auf die Nutzung einer proprietären Bibliothek, deren Funktionsweise niemand überprüfen kann.“ 

 

URL der Quelle:

www.golem.de

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